Kolumne: Warum Lernagilität zur Steigerung der Leistung beiträgt

Von Jair Shankar, MSc

Es ist das Jahr der Forschung, in dem interessante Ideen und Erkenntnisse mit allen geteilt werden sollen! Ich habe bereits zahlreiche Forschungsstudien für Kunden durchgeführt und fand, dass es an der Zeit sei, die Informationen und Erkenntnisse, die wir bei HFMtalentindex im Laufe dieser Forschungsaufträge erlangt haben, mit der HR-Gemeinschaft zu teilen. Das Konzept besteht aus jeweils einem Artikel über ein spezifisches Thema, gefolgt von einem Interview mit einem Mitarbeiter im HR-Bereich. Auf diese Weise sollen harte Fakten eine etwas menschlichere Note bekommen! Der Artikel richtet sich vor allem auf die Forschungselemente und die Auslegung der Resultate. Das anschließende Interview setzt die Ergebnisse in einen praxisnäheren Kontext.

Ich habe mir vorgenommen, die Reihe der diesjährigen Artikel mit dem Thema der Lernagilität zu beginnen und die Beziehung zwischen Lernagilität und Leistung zu untersuchen. Genauer gesagt, möchte ich mich näher mit der Frage befassen, welche Faktoren der Lernagilität am meisten dazu beitragen, die Leistung eines Mitarbeiters in seiner Position im Laufe der Zeit zu steigern.

Bevor ich mit den Ergebnissen beginne, möchte ich zunächst klären was Lernagilität eigentlich ist. Lernagilität ist die Fähigkeit einer Person, sich auf Grundlage neuer Erfahrungen, rasch neue, effektive Verhaltensweisen anzueignen und sich unter verschiedenen Umständen mühelos zwischen Gedanken und Konzepten zu bewegen. Lernagilität besteht aus vier Domänen und einem übergreifenden Faktor.

HFMtalentindex Learning Agility model

Welche Aspekte spielen also eine Rolle für die Verbesserung der Leistung und um welche Art von Beziehung handelt es sich? Die Analysen haben nachgewiesen, dass sowohl Menschliche Agilität als auch Selbstreflexion sehr positiv mit einer Leistungssteigerung korrelieren. Ich wollte wissen, warum eine so starke Beziehung zwischen diesen beiden Elementen besteht. Deswegen bin ich in die Fachliteratur eingetaucht und habe interessante Ansätze gefunden, die eine Erklärung für diese Beziehung bieten können.

Menschliche Agilität und Lernen im Team

Die Beziehung zwischen Menschlicher Agilität und Leistungssteigerung kann mit dem übergreifenden Konzept „Lernen im Team“ verknüpft werden. Dabei geht es um die Fähigkeit einer Person, sich die Mitglieder ihres Teams zum Lernen zunutze zu machen. Solche Personen profitieren von den individuellen Erfahrungen, Talenten, Perspektiven und Fähigkeiten der anderen, um selbst mit deren Hilfe alle Arten von Situationen zu bewältigen, mit denen sie konfrontiert werden. Das bedeutet auch, dass sie im Team höchstwahrscheinlich mehr lernen als alleine, da die Ressourcen, die ihnen zur Verfügung stehen, ihre persönlichen Erfahrungen überschreiten. Ich wollte erfahren, warum das „Lernen im Team“ so sinnvoll ist. Grundsätzlich hängt diese Tatsache mit dem sozialen Lernen zusammen. Dabei geht man davon aus, dass der beste Lernerfolg durch Fremdbeobachtung erzielt wird, indem Kenntnisse von anderen übernommen werden. Einfach gesagt, eine der effektivsten Methoden zur Entwicklung der eigenen Fähigkeiten besteht darin, dass man einem Fachmann zuhört und ihn bei der Ausführung derselben Aufgaben beobachtet, um erfolgversprechende Vorgehensweisen zu verinnerlichen.

Das heißt also, dass Personen, die über Menschliche Agilität verfügen, andere zu ihrem Vorteil nutzen, indem sie deren effektivste Methoden, Fähigkeiten und Erfahrungen in ihrer aktuellen Stellung in die Tat umsetzen.

Self-awareness and self-management

Was die Selbstreflexion betrifft, fällt selbstreflexiven Personen das Selbstmanagement grundsätzlich leichter. Man geht davon aus, dass es zwei zugrunde liegende Elemente gibt, die Personen dabei helfen, sich selbst zu managen. Erstens die Motivation, sich selbst entwickeln zu wollen, und zweitens, verhaltensbezogener, das Fragen nach Feedback von anderen.

Selbstentwicklung ist das Streben des Individuums, die eigenen Fähigkeiten zu verbessern und einzigartige Chancen zu nutzen, die ihm bei der weiteren Entwicklung behilflich sein können. Diese Motivation sorgt dafür, dass sie in der Lage sind, sich Ziele für ihre Entwicklung zu setzen und ihre Fortschritte zu überwachen. Der Wunsch, Feedback zu erhalten, steht im Zusammenhang mit dieser Motivation. Sie bitten andere um Feedback, um nachvollziehen zu können, was sie verbessern müssen, ob sie die richtigen Lösungsansätze für das betreffende Problem anwenden und ob sie sich auf dem richtigen Weg befinden, um ihre Ziele zu realisieren.

Folglich haben besonders selbstreflexive Personen eine hohe Motivation, sich zu verbessern und ihre Fähigkeiten weiterzuentwickeln. Indem sie um Feedback fragen, können sie sich angemessene Ziele für ihre Entwicklung setzen und ihre Fortschritte sorgfältig überwachen.

Denkanstoß

Was bedeutet das alles? Wie können Sie als Leser von diesen Mechanismen profitieren und sie in Ihrem Unternehmen anwenden, damit sich die Leistung Ihrer Mitarbeiter im Laufe der Zeit verbessert? Hier einige spontane Anregungen auf Grundlage dieses Artikels, bei denen die Mitarbeiter im Vordergrund stehen:

  • Sorgen Sie dafür, dass die Teammitglieder in der Lage sind, voneinander zu lernen. Sie sollten mindestens über eine durchschnittliche Menschliche Agilität verfügen, von der letztendlich das gesamte Team profitiert.
  • Teammitglieder, die sich ihrer eigenen Entwicklung besonders bewusst sind, garantieren eine bessere Teamleistung.
  • Menschliche Agilität wirkt sich positiv auf die Zusammenarbeit aus. Das bedeutet, dass Personen mit hoher Menschlicher Agilität besser in der Lage sind, Feedback zu empfangen und von anderen zu lernen.
  • Menschliche Agilität beweist das Sprichwort: „Das Ganze ist mehr als die Summe seiner Teile.“
  • Diejenigen, die über eine geringe Menschliche Agilität verfügen, machen kleinere Fortschritte als diejenigen mit hoher Menschlicher Agilität. Sorgen Sie deswegen dafür, dass Mitglieder im Team sind, die bereit sind, sich umeinander zu kümmern und voneinander zu lernen.
  • Langfristig ist die Menschliche Agilität ein besserer Leistungsindikator als lediglich der Wunsch eines Individuums, gute Leistungen zu erbringen.
  • Die Arbeit im Home-Office kann den Lernprozess von Individuen in einem Team hemmen. Aus diesem Grund sollten ausreichend Möglichkeiten für die Mitglieder zur Kontaktaufnahme und Zusammenarbeit bestehen.
  • Personen, die alleine arbeiten, müssen im Vergleich zu denjenigen, die mit anderen zusammenarbeiten, mehr dafür tun, dieselben Dinge zu lernen. Dies wurde von Personen, die alleine arbeiten, als Problem benannt.

Was ist Ihre Meinung? Bitte teilen Sie uns Ihre Gedanken mit unter info@hfmtalentindex.de

Wenn Sie sich für eine ausführlichere Erläuterung der Studie und ihres theoretischen Hintergrunds interessieren, empfehle ich Ihnen, den vollständigen Forschungsartikel zu lesen „The impact of Learning Agility on the Growth in Performance“.

Für umfassendere Erklärungen der Lernagilität, ihrer Domänen und wie sie gemessen wird, sehen Sie bitte „The Potential of Learning Agility – Research Paper“, von Haring, Shankar und Hofkes (2016)